Mehrwertsteuer-Senkung: Alle Informationen für Unternehmen kompakt zusammengefasst

Zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 beträgt die Mehrwertsteuer in Deutschland jetzt nur noch 16 statt den sonst 19 Prozent. Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz sinkt von 7 Prozent auf 5 Prozent. Diese Senkung für ein halbes Jahr ist eine zentrale Maßnahme der Bundesregierung, mit der die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abgefedert werden sollen.

Auch die Fälligkeit der Einfuhrsatzsteuer wird auf den 26. des Folgemonats verschoben. Dadurch soll die Liquidität erhöht werden.

Durch die Umstellungen müssen Unternehmen allerdings auch einige wichtige Dinge beachten, wir haben euch die relevantesten hier zusammengefasst.

Was ist die Mehrwertsteuer?

Die Mehrwertsteuer wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf den Mehrwert eines Produkts oder einer Dienstleistung erhoben. Unternehmen sammeln diese Steuer beim Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung für den Staat ein und führen dann die Mehrwertsteuer an das Finanzamt ab. Der Betrag, der an das Finanzamt abgeführt wird, wird mit der Mehrwertsteuer verrechnet, die man selbst auf Produkte bereits bezahlt hat. Dies wird auch als Vorsteuerabzug bezeichnet. Für Unternehmen ist also die Differenz zwischen der erhaltenen Mehrwertsteuer und der gezahlten Vorsteuer von Bedeutung.

Wer profitiert jetzt von der Mehrwertsteuer-Senkung?

Sowohl Privatleute als auch Unternehmen profitieren von der Mehrwertsteuer-Senkung. Grundsätzlich bezahlen nur die privaten Endverbraucher die Mehrwertsteuer. Die Bundesregierung erhofft sich durch die Senkung, dass Unternehmen den geminderten Steuersatz über Preissenkungen an die Privatleute weitergeben. Die Nachfrage nach den dann günstigeren Waren und Dienstleistungen soll dadurch erhöht werden. Und davon profitieren dann auch Unternehmen, die höhere Umsätze und einen gesteigerten Unternehmensgewinn vorzeigen könnten. Gerade Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise finanziell schlecht aufgestellt sind, sollen dadurch gerettet werden.

Wie können Unternehmen mit der Steuersenkung umgehen?

Unternehmen müssen jetzt betriebswirtschaftlich entscheiden, was für ihr Unternehmen die beste Vorgehensweise ist. Wie du am besten damit umgehen kannst? Hierzu gibt es verschiedene Ansätze:

Steuersenkung vollständig an den Kunden weitergeben

Gibst du als Unternehmen die Steuersenkung komplett weiter, verbilligen sich dadurch deine Produkte oder Dienstleistungen für den Kunden. Das führt für Verbraucher zu Anreizen, mehr oder früher zu kaufen als geplant. Du als Unternehmer spürst hinsichtlich Gewinn und Liquidität positive Effekte, wenn deine Kunden jetzt im zweiten Halbjahr tatsächlich mehr kaufen.

Die Steuersenkung nicht an den Kunden weitergeben

Gibst du als Unternehmen die Senkung nicht an deine Kunden weiter, ändern sich die Preise nicht. Bleiben gleichzeitig deine Verkaufsmengen stabil, bedeutet dies für dein Unternehmen einen Umsatz auf stabilem Niveau.

Teilweise Weitergabe der Steuersenkung an den Kunden

Entscheidest du dich, nur einen Teil der Mehrwertsteuersenkung an deine Kunden weiterzugeben, profitieren deine Kunden ebenso wie du selbst. Durch die Preissenkung steigt der Kaufanreiz und du erhöhst deinen Gewinn durch die anteilige Einsparung der regulären Umsatzsteuer.

Welche Variante ist für mein Unternehmen geeignet?

Soll ich die Steuererleichterung an meine Kunden weitergeben oder nicht? Dieser Frage musst du dich als Unternehmer jetzt stellen. Um zu entscheiden, welche Variante für dein Unternehmen am besten geeignet ist, solltest du dir im Vorfeld zu folgen Fragen Gedanken machen:

  • Beachte wie die aktuelle finanzielle Lage bei dir im Unternehmen ist. Bist du auf jeden Euro angewiesen?
  • Welche Einstellung haben deine Kunden?
  • Wie möchtest du mit deinem Unternehmen gegenüber Kunden auftreten?
  • Wie verhalten sich deine Wettbewerber? Gibt deine Konkurrenz die Steuersenkungen an ihre Kunden weiter?
  • Wie kannst du die Steuersenkung in dein Marketing mit einbauen? Durch Anzeigen oder E-Mail-Marketing kannst du deine Preissenkungen bewerben. Wichtig ist bei der Kommunikation, dass du deine Kunden darauf hinweist, dass die Preissenkungen nur bis Ende des Jahres gelten.
  • Kannst du durch die Weitergabe der Steuersenkung mit einem erhöhten Absatz deiner Produkte rechnen?        

Die Entscheidung hängt also immer von der jeweiligen Lage deines Unternehmens und den generellen Rahmenbedingungen zusammen. Berücksichtige in jedem Fall deine finanzielle Aufstellung, das Wettbewerberverhalten und die Preissensibilität von deinen Kunden.

Muss die Mehrwertsteuer ausgewiesen werden?

Unternehmen müssen den zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember reduzierten Mehrwertsteuersatz ausweisen. Weist du 19 Prozent Mehrwertsteuer aus, musst du auch diese 19 Prozent abführen.

Auf was musst du als Unternehmen bei einer Anpassung der Steuer achten?

Möchtest du die Mehrwertsteuer-Senkung an deine Kunden weitergeben, bedeutet das auch Änderungen in der Verwaltung. Die Preise sämtlicher Produkte müssen dann neu ausgezeichnet werden. Kassensysteme sowie Buchhaltungsprogramme müssen zudem entsprechend geändert werden. Auch Etiketten, Rechnungsformulare, Flyer etc. müssen an die neuen Steuersätze angepasst werden. Nutzt du eine unterstützende Software, muss auch diese konfiguriert werden.

Fazit

Überlege dir als Unternehmer genau, ob sich die Weitergabe der Steuersenkung an deine Kunden für dein Unternehmen rentiert, oder ob du die Preise stabil lässt. Für beide Varianten gibt es gute Argumente. Die jeweilige Entscheidung hängt immer von deiner jeweiligen Lage ab. Wie bist du finanziell aufgestellt? Welche Einstellung haben deine Kunden gegenüber der Steuersenkung?

Letztendlich musst du als Unternehmen versuchen, langfristig den größtmöglichen Nutzen daraus zu ziehen.

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